Verschiedene Tarifwelten – unterschiedliche Rechte

Durch Eingriffe des Gesetzgebers in das deutsche Gesundheitswesen durch Reformen, gibt es auch Auswirkungen auf die Private Krankenversicherung (PKV). Daher müssen drei Tarifwelten unterschieden werden:

In der sogenannten „Alte Tarifwelt“ sind alle PKV-Kunden, die bereits vor dem 01.01.2009 bei ihrem aktuellen PKV-Anbieter versichert waren. Drei wesentliche Merkmale zeichnen sie aus:

  1. Alterungsrückstellungen werden bei einem Wechsel des Versicherers nicht transportiert, es werden also keine Übertragungswerte gebildet. Bei einer Kündigung verbleiben sie beim bisherigen Krankenversicherer und werden der Versichertengemeinschaft vererbt.
  2. Es sind geschlechtsabhängig kalkulierte Tarife, das heißt die Beiträge für Männer und Frauen sind unterschiedlich.
  3. Die Seniorenlösung ist der Standardtarif, der bereits 1994 eingeführt wurde und eine Schutzfunktion hat. Diese Schutzfunktion ist eine Beitragslimitierung. Sie sorgt dafür, dass keine Überlastung in Bezug auf die Beitragshöhe eintreten kann, denn der Höchstbeitrag im Standardtarif ist auf den Höchstbetrag der Gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt.

Der sogenannten „Neuen Tarifwelt“ werden alle PKV-Kunden zugerechnet, die sich nach dem 01.01.2009 bei ihrem jetzigen PKV-Anbieter versichert haben. Sie sind entweder durch Kündigung und Wechsel oder durch Übertritt aus der Gesetzlichen Krankenversicherung zum aktuellen Versicherer gelangt. Auf die Tarife der „Neuen Welt“ zeichnen sich durch drei Merkmale aus:

  1. Es werden so genannte Übertragungswerte gebildet, das heißt, bei einer Kündigung ist nicht die gesamte Alterungsrückstellung für den Kunden verloren, sondern sie wird zu einem Großteil auf den neuen Krankenversicherer übertragen.
  2. Genau wie in der Alten Tarifwelt handelt es sich um Bisextarife, das heißt, die Beiträge sind für Männer und Frauen unterschiedlich.
  3. Der Basistarif ist die Seniorenlösung. Er verfügt über die gleiche Schutzfunktion wie der Standardtarif hinsichtlich der Beitragslimitierung. Außerdem ist der Beitrag im Basistarif subventionierbar, sofern Hilfebedürftigkeit vorliegt. Mit der Einführung des Basistarifs zum 01.01.2009 wurde der Standardtarif geschlossen.

Die dritte Tarifwelt bilden die UNISEX-Tarife. Durch die Umsetzung eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs sind auch die deutschen Krankenversicherer verpflichtet gleichgeschlechtlich kalkulierte Tarife bereitzuhalten. Sie gelten seit dem 21.12.2012 und zeichnen sich durch vier wesentliche Merkmale aus:

  1. Gleich geschlechtlich kalkulierte Tarife, das heißt, es wird nicht mehr zwischen Männern und Frauen unterschieden und daher bezahlen alle den gleichen Beitrag.
    Alterungsrückstellung sind auch in dieser Tarifwelt übertragbar, das heißt, bei einer Kündigung und dem damit verbundenen Wechsel des Versicherers wird die Alterungsrückstellung zu einem Großteil übertragen.
  2. Der Garantiezins wurde erstmals abgesenkt. Die Versicherer verständigten sich auf einen Zinssatz von 2,75 Prozent. Zur Erinnerung, der Rechnungszins in den Bisextarifen betrug 3,5 Prozent.
  3. Die Seniorenlösung ist nach wie vor der Basistarif, den es auch in einer UNISEX-Version gibt.